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Lieder zum Fest-Gottesdienst am 11. Oktober 2026

Gabriele von Dressler

 

BG 792: 1-4

1 All Morgen ist ganz frisch und neu / des Herren Gnad und große Treu; / sie hat kein End den langen Tag, / drauf jeder sich verlassen mag.

2 O Gott, du schöner Morgenstern, / gib uns, was wir von dir begehrn: / Zünd deine Lichter in uns an, / lass uns an Gnad kein Mangel han.

3 Treib aus, o Licht, all Finsternis, / behüt uns, Herr, vor Ärgernis, / vor Blindheit und vor aller Schand / und reich uns Tag und Nacht dein Hand,

4 zu wandeln als am lichten Tag, / damit, was immer sich zutrag, / wir stehn im Glauben bis ans End / und bleiben von dir ungetrennt.

Form 2, (S. 23)

L:  Von Gottes Güte kommt es, dass wir leben. Sein Erbarmen hat noch kein Ende. Seine Liebe ist jeden Morgen neu und seine Treue unfassbar groß.

G: ♫ Nun saget Dank und lobt den Herren,
denn groß ist seine Freundlichkeit,
und seine Gnad und Güte währen
von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Du, Gottes Volk, sollst es verkünden:
Groß ist des Herrn Barmherzigkeit,
er will sich selbst mit uns verbünden
und wird uns tragen durch die Zeit.

L:  Herr, du großer und heiliger Gott!

Du stehst in unerschütterlicher Treue zu deinem Bund und zu denen, die dich lieben und nach deinen Geboten leben.

Wir sind schuldig geworden, haben dir die Treue gebrochen, uns gegen dich aufgelehnt und deine Gebote und Weisungen nicht befolgt. Du aber, Herr, unser Gott, erbarme dich über uns!

Neige dein Ohr und höre, denn wir vertrauen nicht auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf dein großes Erbarmen.

G: ♫ Herre Gott, erbarme dich. Christe, erbarme dich. Herre Gott, erbarme dich.

L:  Berge mögen weichen und Hügel wanken, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen und mein Friedensbund nicht wanken, spricht der Herr, dein Erbarmer.

G: ♫ Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade,
darum dass nun und nimmermehr
uns rühren kann kein Schade.
Ein Wohlgefallen Gott an uns hat,
nun ist groß Fried ohn Unterlass,
all Fehd hat nun ein Ende.

G: Glaubensbekenntnis

G: ♫ Der ewigreiche Gott woll uns bei unserm Leben
ein immer fröhlich Herz und edlen Frieden geben
und uns in seiner Gnad erhalten fort und fort
und uns aus aller Not erlösen hier und dort.

BG 474: 1,4,5

1 Alles ist an Gottes Segen / und an seiner Gnad gelegen / über alles Geld und Gut. / Wer auf Gott sein Hoffnung setzet, / der behält ganz unverletzet / einen freien Heldenmut.

4 Hoffnung kann das Herz erquicken; / was ich wünsche, wird sich schicken, / wenn es meinem Gott gefällt. / Meine Seele, Leib und Leben / hab ich seiner Gnad ergeben / und ihm alles heimgestellt.

5 Er weiß schon nach seinem Willen / mein Verlangen zu erfüllen, / es hat alles seine Zeit. / Ich hab ihm nichts vorzuschreiben; / wie Gott will, so muss es bleiben, / wann Gott will, bin ich bereit.

BG 700: 1-3

1 Weil die Worte Wahrheit sind, / dass man nichts bei Gott gewinnt, / nichts durch des Gesetzes Werke, / nichts durch eigne Kraft und Stärke, / nichts durch Einsicht und Verstand, / nichts durch eine milde Hand,

2 nichts durch eignes Heiligsein, / wenn’s gleich mehr als Augenschein, / wenn’s gleich Kraft und Wesen wäre, / auch nichts durch die reine Lehre, / dass kein Tugendbild die Gnad / näher als der Sünder hat:

3 So ist dies der beste Rat, / den das Evangelium hat, / man fällt Jesus zu den Füßen / und denkt nicht an Tun und Büßen, / sondern spricht: »Herr, du allein / wirst mir Sünder gnädig sein.«

BG 683: 1-3

1 Segne uns, o Herr! / Lass leuchten dein Angesicht / über uns und sei uns gnädig ewiglich.

2 Segne uns, o Herr! / Deine Engel stell um uns, / bewahre uns in deinem Frieden ewiglich.

3 Segne uns, o Herr! / Lass leuchten dein Angesicht / über uns und sei uns gnädig ewiglich.

Lieder aus dem Gesangbuch der Evangelischen Brüdergemeine, Basel 2007

Predigt am 11.10.2026 · 19. Sonntag nach Trinitatis

Neues Leben

Predigttext: Epheser 4,22-32

Liebe Gemeinde,

woran ist zu erkennen, dass ein Mensch ein neues Leben mit Christus begonnen hat? Das ist eine schwierige Frage. In einem Taufgottesdienst mit Schülern und Schülerinnen der Johann-Amos-Comenius-Schule (eine Schule der Herrnhuter Diakonie) in Herrnhut haben die Jugendlichen nach ihrer Taufe ein weißes Gewand übergezogen. Damit wurde veranschaulicht, dass mit der Taufe ein neues Leben begonnen hat. Ich fand diese symbolhafte Handlung sehr eindrucksvoll.

In unserem Predigttext heute geht es um neues Leben. Ich lese den Text aus Epheser 4, 22-32 nach der Übersetzung der Basisbibel. Darin geht es um die Auswirkungen des Lebens aus der Gnade:

 

22 Deshalb sollt ihr euer altes Wesen und eure frühere Lebensweise ablegen, die durch und durch verdorben war und euch durch trügerische Leidenschaften zugrunde richtete. 23 Lasst euch stattdessen einen neuen Geist und ein verändertes Denken geben. 24 Als neue Menschen, geschaffen nach dem Ebenbild Gottes und zur Gerechtigkeit, Heiligkeit und Wahrheit berufen, sollt ihr auch ein neues Wesen annehmen. 25 Deshalb sollt ihr die Lüge ablegen. Vielmehr soll jeder die Wahrheit sagen, wenn ihr miteinander redet. Denn wir alle sind Glieder am Leib von Christus. 26 Euer Zorn soll nicht dazu führen, dass ihr Schuld auf euch ladet! Lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen. 27 Gebt dem Teufel keinen Raum zum Wirken! 28 Wer stiehlt, soll nicht mehr stehlen. Vielmehr soll er sich abmühen und durch seiner eigenen Hände Arbeit etwas verdienen. Dann hat er genug, um dem Bedürftigen etwas abzugeben. 29 Kein böses Wort soll über eure Lippen kommen. Vielmehr sollt ihr stets ein gutes Wort haben, um jemanden zu stärken, wenn es nötig ist. Dann bringt dieses Wort denen Segen, die es hören. 30 Betrübt nicht Gottes heiligen Geist, der euch wie ein Siegel aufgedrückt wurde. So kennzeichnet uns Gott für den Tag der endgültigen Erlösung. 31 Alle Erbitterung, Wut, Zorn, lautstarke Auseinandersetzungen und Verleumdungen sollen bei euch keinen Platz haben. Das gilt erst recht für alle Bosheit. 32 Seid vielmehr gütig und barmherzig zueinander. Vergebt einander, wie Gott euch durch Christus vergeben hat.

Paulus gibt uns in Epheser 4 Vers 22 eine sehr praktische Antwort. Er spricht davon, den alten Menschen abzulegen und den neuen Menschen anzuziehen. Paulus geht es um die Frage: Was verändert sich in meinem Leben, wenn Christus in mein Leben eintritt? Das neue Leben bleibt nicht unsichtbar, es hat Auswirkungen.  Der alte Mensch steht für unser Leben, das von Selbstbezogenheit und Sünde geprägt ist. Der neue Mensch dagegen lebt aus der Beziehung zu Christus. Dabei geht es darum, dass Christus etwas Neues aus mir machen will. Es geht um eine Beziehung, die mein ganzes Leben verändert. Und da spielt Gottes Gnade eine große Rolle. Dietrich Bonhoeffer hat davor gewarnt, die Gnade Gottes billig zu machen. Er schreibt: „Billige Gnade ist der Todfeind unserer Kirche.“ Und er spricht von der „teuren Gnade“, weil sie in die Nachfolge ruft.

Gottes Gnade bedeutet: „Ich nehme dich an – und führe dich in ein neues Leben.“  Christus möchte nicht nur unser Verhalten verändern, sondern auch unser Herz und unser Denken. Er schärft den Blick auf mich und den anderen. Er fragt mich persönlich, wie ich mit meiner Schuld und mit Verletzungen umgehe.

Wie reagiere ich z. B., wenn etwas nicht nach meinen Vorstellungen läuft? Das neue Leben beginnt in mir drin, bevor es dann nach außen sichtbar wird. Paulus wird ganz konkret, wenn er sagt: Legt die Lüge ab und redet die Wahrheit. Ladet keine Schuld auf euch und lasst kein böses Wort über eure Lippen kommen. Warum spricht er das an?  Weil sich unser neues Leben besonders in unseren Beziehungen zeigt. Es ist relativ einfach, sonntags freundlich zu sein. Aber was passiert am Montag und an den an den darauffolgenden Tagen? Wie reagiere ich, wenn jemand mich verletzt oder kritisiert? Gerade im Umgang und in den Beziehungen zu anderen Menschen zeigt sich, ob Christus wirklich mein Leben prägt. Immer wieder gibt es Situationen, wo ich in der Gefahr bin, schlecht über andere zu reden oder ich bin nachtragend und tische alte Verletzungen immer wieder auf. Paulus erinnert uns daran, dass wir freundlich und herzlich miteinander umgehen sollen und dass wir bereit sein sollen, anderen zu vergeben, wie auch Christus uns vergeben hat. Das soll unser Maßstab sein. Wir können vergeben, weil uns vergeben wurde. Wir können barmherzig sein, weil Gott mit uns barmherzig war. Und wir können den ersten Schritt machen, weil Christus den ersten Schritt auf uns zu gemacht hat. Ich habe eine Beispielgeschichte mitgebracht, die zeigt, dass das neue Leben nicht plötzlich perfekt ist, sondern dass wir anders mit Menschen, Konflikten und unserem eigenen alten Verhalten umgehen.

Ein Mann namens Markus hatte einen Kollegen, mit dem er immer wieder Schwierigkeiten hatte. Der Kollege machte abfällige Bemerkungen, kritisierte ihn vor anderen und gab ihm manchmal sogar die Schuld für Dinge, die nicht seine Schuld waren. Markus ärgerte sich jedes Mal. Auf dem Heimweg dachte er darüber nach, was er dem Kollegen beim nächsten Mal sagen würde. In seinem Kopf führte er ganze Gespräche – und meistens gewann er darin natürlich.

Eines Tages sagte sein Kollege wieder etwas Verletzendes. Markus ging danach wütend an seinen Schreibtisch. Er wollte gerade eine scharfe Nachricht schreiben. Da fiel sein Blick auf einen kleinen Zettel, den er einige Tage zuvor in seiner Bibel gefunden hatte. Darauf stand: „Legt von euch ab den alten Menschen … und zieht den neuen Menschen an.“ (Epheser 4,22.24)

Markus dachte: „Der alte Markus würde jetzt zurückschlagen. Er würde genauso verletzend werden. Aber wenn ich wirklich mit Christus lebe – muss ich dann nicht anders reagieren?“ Er löschte seine Nachricht. Am nächsten Morgen ging er zu seinem Kollegen und sagte: „Gestern hat mich deine Bemerkung sehr verletzt. Ich möchte nicht mit dir streiten. Aber ich möchte, dass wir ehrlich miteinander umgehen. Wenn ich einen Fehler gemacht habe, sag es mir bitte direkt.“

Der Kollege war zunächst überrascht. Er hatte mit einem Gegenangriff gerechnet. Und tatsächlich veränderte sich die Situation nicht sofort. Aber Markus hatte etwas verändert: Er hatte entschieden, nicht mehr nach seinem alten Muster zu leben. Das war für ihn neues Leben. Wir können unsere alten Muster erkennen und verlassen, wenn wir uns durch Jesus erreichen lassen.

Eine weitere Veränderung beschreibt Paulus im Vers 28: Wer stiehlt, soll nicht mehr stehlen. Vielmehr soll er sich abmühen und durch seiner eigenen Hände Arbeit etwas verdienen. Dann hat er genug, um dem Bedürftigen etwas abzugeben. Paulus sagt nicht nur: Hör auf zu nehmen, sondern vielmehr fang an zu geben. Das ist ein Kennzeichen des neuen Lebens. Das alte Leben fragt danach: Was bekomme ich? Das neue Leben fragt stattdessen: Was kann ich geben? Wenn wir nachdenken, dann fallen uns viele Sachen ein: Zeit, Aufmerksamkeit, Ermutigung, Vergebung Hilfe, Gaben, Kraft. Denn Christus hat uns nicht gerettet, damit wir nur um uns selbst kreisen. Er hat uns befreit, damit wir auch die Menschen um uns herum im Blick haben und für sie da sind.

Paulus zeigt uns heute drei Auswirkungen des neuen Lebens: in einer lebendigen Beziehung mit Jesus werden unser Denken, unser Umgang mit anderen und schließlich unser Herz verändert.  Das alles geschieht nicht aus eigener Kraft. Christus bewirkt diese Veränderung und sein Geist bleibt die treibende Kraft in mir, wenn ich es zulasse. Und darum kann ich täglich bitten. Denn das neue Leben ist nicht nur etwas, das wir glauben. Es ist etwas, das wir aus dem Glauben an Jesus heraus leben. Wenn Christus unser Leben verändert, dann wird das irgendwann sichtbar: an unseren Worten, an unseren Beziehungen, an der Bereitschaft zu vergeben, an unserer Barmherzigkeit und Liebe im Umgang miteinander.

Amen.

Gabriele v. Dressler